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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Factoring auf dem Vormarsch

Factoring auf dem Vormarsch

Der regelmäßige Verkauf von Forderungen aus Warenlieferung und Dienstleistung gegen sofortigen Erhalt des Kaufpreises bietet Unternehmen einen Finanzierungsbaustein, der sie sowohl vom Kreditvergabeverhalten der Banken als auch vom Zahlungsverhalten der Kunden unabhängiger macht. Die Einzelheiten.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen ist durch ein Problemgemenge aus rückläufigen Auftragseingängen, wegbrechenden Umsätzen und Schwierigkeiten beim Kreditzugang geprägt. Dass sich die Krise tatsächlich auf die Finanzierungsbedingungen des Mittelstandes auswirkt, lässt sich beziffern: Mehr als 40 Prozent der befragten Mittelständler gaben im April an, dass die Finanzierungsbedingungen gegenüber dem Vorjahr schwieriger geworden sind.

Steigende Insolvenzrisiken

Als Reaktion darauf spielen Lieferantenkredite eine immer größere Rolle – mit entsprechend negativen Folgen wie Liquiditätsengpässen oder Zahlungsunfähigkeit auf Seiten der Lieferanten. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist 2008 in Deutschland zum ersten Mal seit 2003 wieder angestiegen. Für 2009 erwartet Creditreform ein weiteres Ansteigen der Unternehmensinsolvenzen auf 33.000 bis 35.000 Fälle. Die von einem großen medialen Interesse begleiteten Insolvenzen bundesweit bekannter Unternehmen werden dabei nur die Spitze des Eisberges darstellen.

Die Gründe für den zu erwartenden weiteren Anstieg der Firmeninsolvenzen liegen auf der Hand: Das Jahr ist für die gesamte Wirtschaft ein schwieriges Rezessionsjahr. Die meisten Unternehmen müssen ihre Geschäftserwartungen deutlich nach unten revidieren, die Finanzierungssituation der Unternehmen verschlechtert sich und die Forderungsausfälle steigen. In dieser Situation wird ein aktives Liquiditätsmanagement für kleine und mittlere Unternehmen geradezu überlebenswichtig. Dabei wird der Bestand an Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen zunehmend als bislang ungenutzte Reserve im Nettoumlaufvermögen identifiziert. Neben intensivierten Bemühungen der Unternehmen, die ausstehenden Forderungen in Zusammenarbeit mit Inkasso-Dienstleistern beizutreiben, registrieren auch Factoring-Anbieter vermehrten Zulauf gerade aus dem deutschen Mittelstand.    

Wachstumsmarkt Factoring

Das zeigt auch die Geschäftsentwicklung von Crefo Factoring, einem Geschäftsfeld der Unternehmensgruppe Creditreform. Das Volumen der angekauften Forderungen stieg 2008 auf 765 Millionen Euro (2007: 559 Millionen Euro). Crefo Factoring besteht aus 18 regional ausgerichteten Gesellschaften in einem bundesweiten Netzwerk. Die Unternehmensgruppe, seit 1999 im Factoring-Markt tätig und seit 2008 Mitglied im Deutschen Factoring-Verband, ist einer der führenden Anbieter für kleine und mittelständi­sche Unternehmen mit Umsätzen bis sechs Millionen Euro.Das Leistungsspektrum umfasst alle gängigen und am Markt etablierten Factoring-Verfahren.

Der Factoringnehmer erhält dabei vom Factor innerhalb von 48 Stunden mindestens 80 Prozent des Bruttorechnungsbetrages seiner Ausgangsrechnung und kann damit seinerseits Einkaufsvorteile nutzen oder muss weniger Kontokorrentkredite in Anspruch nehmen. Den Restbetrag erhält der Factoringnehmer, sobald sein Abnehmer die Rechnung beim Factor beglichen hat. Bei Nichtzahlung des Abnehmers erfolgt die Restzahlung spätestens nach 150 Tagen. Durch den integrierten Delkredereschutz wird gerade dem aktuell erhöhten Ausfallrisiko zu 100 Prozent Rechnung getragen. Dadurch können Unternehmen den Liquiditätszufluss sicher disponieren. Bei einer Kreditlinie, die jederzeit gekürzt werden kann, ist dies nicht der Fall.

Die Geschäftsentwicklung von Crefo Factoring passt sich in die dynamische Marktentwicklung des deutschen Factoringmarktes ein. So ist der Factoring-Umsatz in Deutschland allein 2008 um fast ein Viertel auf inzwischen knapp 104 Milliarden Euro gestiegen. Mehr als 5.900 Kunden setzen Factoring im Rahmen ihrer Unternehmensfinanzierung ein. Die Vergleichszahlen für 2005 lagen bei einem Factoring-Umsatz von 55,1 Milliarden Euro und 3.200 Unternehmen, die Factoring damals nutzten. Der Blick auf die Struktur des deutschen Factoring-Marktes zeigt, dass das Interesse gerade des Mittelstandes an der Finanzierungsform Factoring auch in Zeiten stürmischer Finanzmärkte weiter zunimmt. So bewegen sich bereits jetzt fast 70 Prozent aller angekauften Forderungen im Factoring in einem Umsatzsegment bis zu 7,5 Millionen Euro – mit weiter steigender Tendenz. Die aktuellen Finanzmarktturbulenzen machen Factoring speziell für kleine und mittlere Neukunden noch attraktiver.

Dennoch hat das Factoring in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin Nachholbedarf. Obwohl die Factoring-Quote, die das Verhältnis zwischen dem angekauften Forderungsvolumen und dem Bruttoinlandsprodukt angibt, 2008 um 0,1 Prozent auf jetzt 3,58 Prozent angestiegen ist, rangiert Deutschland im internationalen Vergleich aber unverändert weit hinter Ländern wie Großbritannien (14 Prozent), Italien (8 Prozent) und Frankreich (6 Prozent).

Der Rückstand kann zum Teil mit der Tradition mittelständischer Finanzierung in Deutschland erklärt werden, die lange Zeit vor allem durch Eigenmittel und Bankkredite geprägt war. Die Beziehungen zur Hausbank waren entsprechend eng und langfristig. Eine alternative Finanzierungskultur mit Instrumenten wie Factoring konnte in dieser Zeit nicht entstehen. Schon vor der Wirtschafts- und Finanzkrise und deren messbaren Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung hat hier ein langsamer Kulturwandel eingesetzt. Auslöser dafür war auch, dass das Firmenkreditgeschäft der Banken durch Basel II erheblich aufwändiger geworden ist und daher zurückgeschraubt wurde. Viele Unternehmen reagierten auf diese Entwicklung, indem sie ihre Finanzierung etwa durch Factoring auf eine breitere Grundlage stellten.       

Klassische Branchenschwerpunkte

Factoring ist für Unternehmen eines breiten Branchenspektrums anwendbar. Voraussetzung ist, dass der Factoring-Kunde bei seinen Abnehmern in der Regel abgeschlossene Leistungen abrechnet. Daher kommt Factoring für Firmen aus bestimmten Branchen nicht in Frage, etwa dort, wo den Forderungen oft hohe Reklamationsrisiken anhaften oder wo Vorauszahlungen oder Teilzahlungen üblich sind. Das trifft insbesondere auf Unternehmen zu, die im Baugewerbe oder im Anlagenbau tätig sind sowie im Gesundheitswesen oder Grundstücks- und Wohnungswesen. Zu den klassischen Branchen, für die sich Factoring eignet, zählen nach wie vor der Handel und die Handelsvermittlung, die Metallerzeugung und -verarbeitung, die Herstellung von Metallerzeugnissen, der Maschinenbau und das Ernährungsgewerbe. Daneben nutzen auch viele mittelständische Unternehmen aus Elektrotechnik, Papier-, Verlags- und Druckgewerbe, Textil- und Bekleidungsgewerbe sowie Chemie und Dienstleistungsgewerbe das Factoring.    

Nach gängiger volkswirtschaftlicher Ansicht ist die derzeitige Krise keine Nachfragekrise. Der Absatzrückgang sei vielmehr allein der Finanzkrise geschuldet. Macht man sich diese Grundannahme zu Eigen, ist in absehbarer Zeit wieder mit einer erhöhten Nachfrage zu rechnen, die durch den Nachholeffekt entsprechend höher ausfallen dürfte. Der damit einhergehende Umsatzanstieg muss für die Lieferanten wiederum finanzierbar sein. Auch in dieser Situation erweist sich Factoring als Finanzierungsinstrument der ersten Wahl, da der Finanzierungsrahmen umsatzkongruent ist. Dadurch lassen sich Großaufträge ebenso bedienen wie Kunden mit dem Wunsch nach längeren Zahlungszielen – ohne das Zahlungsausfallrisiko selber tragen zu müssen.

Autor: Michael Bretz, aus Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt.



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