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Zeit zu investieren

Creditreform Magazin, 04.04.2011


Wie die KfW Bankengruppe mit langfristigen Finanzierungsangeboten dazu beitragen will, dass dem Mittelstand das Geld nicht ausgeht.

Die Unternehmen gehen mit großer Zuversicht in die Zukunft: Wie das jüngste KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt, war das mittelständische Geschäftsklima seit Beginn der Berechnungen des Indikators im Jahr 1991 niemals so günstig wie derzeit.

Damit rücken nach dem Ende der Krise jetzt wieder die strukturellen Probleme bei der Finanzierung in den Vordergrund – angefangen bei der Vorfinanzierung großer Aufträge bis hin zu strukturellen Investitionen, um die eigene Wettbe-werbsfähigkeit zu verbessern. Durch die Krise sind langfristige Herausforderungen, die sich aus dem Klimawandel, der Energie- und Ressourcenverknappung, der zunehmenden Alterung der Bevölkerung, der fortschreitende Globalisierung oder dem technische Fortschritt ergeben, etwas aus dem Blick geraten. Nun ist es an der Zeit, sich diesen Themen zu stellen, sie als Chance zu begreifen, die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken und in ihre Zukunftsfähigkeit zu investieren.

Keine Kreditklemme

Für klassische Investitionen sieht die Finanzierungssituation jedoch wesentlich besser aus als noch vor Monaten befürchtet. So ist das Schreckgespenst Kreditklemme während der Krise nicht aufgetaucht. Zwar gab es durchaus Firmen, die mit erheblichen Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, doch konnte das KfW-Sonderprogramm einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Kreditmarktes leisten. Dass das Kreditneugeschäft in den schwierigen Jahren dennoch deutlich zurückgegangen ist, lag weniger an der mangelnde Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe als vielmehr an der schwächeren Nachfrage der Unternehmen. Auch 2010 war die Nachfrage nach Krediten noch sehr verhalten. Die Kapazitäten in der Industrie waren zunächst lediglich unterdurchschnittlich ausgelastet, und anstehende Investitionen ließen sich zu großen Teilen aus dem Cash Flow finanzieren. Für dieses Jahr rechnet die KfW mit einer hohen gesamtwirtschaftlichen Investitionsdynamik, da neben die Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen verstärkt auch Erweiterungsinvestitionen treten werden. Dies wird positiv auf die Kreditnachfrage der Unternehmen abstrahlen.

Die wachsende Kreditnachfrage sollte dabei auf eine entsprechende Finanzierungsbereitschaft bei den Banken stoßen: Die Situation auf den Kreditmärkten hat sich entspannt – und im Schnitt konnten die mittelständischen Unternehmen ihre Eigenkapitalausstattung selbst in der Krise verbessern. Lag ihre Eigenkapitalquote im Jahr 2002 noch bei durchschnittlich gut 18 Prozent, ist sie im Jahr 2009 auf 26,4 Prozent im Durchschnitt angewachsen. Insgesamt ist der deutsche Mittelstand damit gut gerüstet für den weiteren Aufschwung.

Anders sieht es bei den Unternehmen aus, die traditionell die größten Schwierigkeiten haben, an Kapital zu kommen: Existenzgründer und innovative Unternehmen. Ihre Hauptprobleme sind typischerweise fehlende Sicherheiten, eine mangelnde Unternehmenshistorie und große Unsicherheit hinsichtlich des Erfolgs innovativer Vorhaben. Als Förderbank will die KfW Bankengruppe dafür zu sorgen, dass Investitionspläne strukturell gesunder Unternehmen, vor allem aber Innovationen und die Belebung des Marktes durch junge Unternehmen, nicht an Finanzierungsengpässen scheitern. Entsprechend groß ist das Angebot an Förderprodukten, wobei das Institut insbesondere dort aktiv ist, wo der Markt systematische Schwächen hat. Sie geht ins Risiko, um den Kreditinstituten zu helfen, die die Kreditnachfrage der mittelständischen Unternehmen bedienen. Dies geschieht beispielsweise durch die Haftungsfreistellung bei vielen Krediten, mit der die KfW das Ausfallrisiko der durchleitenden Hausbank reduziert. Oder beim ERP-Innovationsprogramm, bei dem sie auch Nachrang-Darlehen in vollem eigenen Risiko und ohne Sicherheiten für die Finanzierung von Innovations-Vorhaben bereitstellt.

Hilfe für Gründer

Gerade in diesem Segment ist aber auch Risikokapital von entscheidender Bedeutung: Mit dem Hightech Gründerfonds, dem ERP-Startfonds, dem ERP/EIF-Dachfonds sowie den Angeboten auf Bundesländerebene wird das Early-Stage-Segment des deutschen Beteiligungsmarktes bereits stark gefördert. Sorgen bereitet eher der sich abzeichnende Bedarf an Wachstumsfinanzierungen sowie Folge- und Anschlussfinanzierungen. Um etablierte Unternehmen bei der Realisierung ihrer Wachstumspläne zu unterstützen, hat die KfW gemeinsam mit der Commerzbank den Eigenkapitalfonds für deutschen Mittelstand initiiert, der von Afinum gemanagt wird. Ziel ist es, die Unternehmen in Form einer Minderheitsbeteiligung langfristig zu begleiten, damit diese weiter als Herr im Haus expandieren können.

Auch für Gründer hat sich zum 1. April 2011 das Angebot verbessert: Im neuen KfW-Gründerkredit-StartGeld gewährt die KfW künftig für eine Darlehenshöhe bis 100.000 Euro Haftungsfreistellungen, um so den Zugang zu günstigem Fremdkapital für noch mehr Gründer zu erhöhen. Denn gerade diese Zielgruppe hat es im Markt oftmals schwer, eine Startfinanzierung zu erhalten – da jede Gründungsfinanzierung ein Risiko für die jeweilige Hausbank mit sich bringt. Daher sieht sich die KfW als Förderbank gefragt und will so ihrem Selbstverständnis als verlässlicher Partner für Gründer und Unternehmer gerecht werden – egal ob für klassische oder inno-vative Investitionen.

Autor: Ulrich Schröder ist Vorstands-vorsitzender der KfW Bankengruppe



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